Montag, 23. Februar 2009

Tai Chi Chuan - Tai Ji Quan - Taijiquan

Tai Chi erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Allerdings erst seitdem die Krankenkassen dieses als "förderungswürdige" Bewegungform erkannt haben. Und manch einer kommt nur in die Kurse, "weil die Kasse bezahlt".

Was ist der Ursprung von Tai Chi? Welche Vielfalt gibt es innerhalb des Tai Chi? In den folgenden Artikeln werden Formen, Stile, gesundheitliche Aspekte, aber auch der kämpferische Teil des Tai Chi vorgestellt.


Der Name Tai Chi ist eine Kurzform. Der ausführliche Name ist "Tai Chi Chuan", auch als Tai Ji Quan oder neuerdings als Taijiquan bekannt. Das Wort Quan (= Chuan) heißt "Faust" und besagt nur, daß man keine Waffe in der Hand hält. Tai Chi Jian z.B. heißt die Tai Chi Schwert-Form.

Wenn ich nun sage, ich betreibe Tai Chi, dann sagt dies noch nicht viel aus. Es gibt innerhalb des System 5 große Stilrichtungen (Chen-, Yang-, Wu-, Sun-, Hao- bzw. W'u-Stil). Außerhalb dieser Aufzählung existieren noch der Lee-Stil und der Wudang-Stil mit eigenen Wurzeln. Über das Entstehungsalter gibt es verschiedene, stark umstrittene Angaben. Ebenso über über die Entstehungslegenden.

Hier nun drei "Entstehungslegenden":

Zhang Sanfeng (12. / 15. Jhd) gilt als mythologischer Begründer des Tai Chi. Er war ein daoistischer Mönch und bekam seine "Erkenntnisse" in einen Traum auf dem Berg Wudang vom Kaiser Xuan Wu (2697-2597 v.u.Z.) vermittelt. "Die Idee des Tai Chi als "Geschenk" der Götter an die Menschen". Die zweite Legende besagt, daß Zhang Sanfeng zwei Tiere (Kranich, Schlange) beobachtet hat, wie sie miteinander gekämpft haben und dabei soll er die Technik des Tai Chi erkannt haben. Das "Prinzip der geraden aber auch gewundenen Bewegungen und ihre Beziehung zueinander". Die dritte und etwas handfestere Legende ist, daß General Chen Wanting (1597-1664) im hohen Alter sich zurückgezogen hat und einen neuen effektiven Kampfstil entwicklet hat. Er hat dabei aus vielen anderen Kampfstilen die effektivsten Techniken zu einer neuen Stilrichtung verschmolzen. Ein neuer Aspekt seines Kampfstiles war, daß "Zurückweichen" von Vorteil sein kann und nicht ein Zeichen von Schwäche ist. Dieser Gedanke ist einmalig in seiner Zeit.


Wichtig ist, daß das Tai Chi immer nur innerhalb der Familie weitergegeben wurde, da es zu kämpferischen Zwecken praktiziert wurde. Überfälle, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung.



Es wird immer wieder gesagt "Tai Chi sei uralt". Stimmt dies?
Wenn man die Vorläufersysteme dazuzählt, dann gehen die "Daten über die Entstehung" bis auf den Gelben Kaiser (2697-2597 v.u.Z.) bzw. Lee Ho Hsieh (ca. 1110 v.u.Z.) zurück. Demzufolge ist Tai Chi "über viele tausende Jahre alt". Geht man von dem Begriff "Tai-Ji" aus, so gibt zwei große Unterschiede der Bedeutungen: Tai Chi wird als ein philosophisches Prinzip betrachtet. Hierbei bedeutet Tai Chi "höchster Dachfirst", das höchste Äußerste".

Das Tai-ji ist, was wu-ji hat beboren.
Es ist von Yin und yang die Mutter.
Bewegt man diese, dann ist Trennung,
Beruhigt man sie, dann ist Vereinigung


Betrachete man "Tai Chi Chuan" als Kampfsystem, so finden sich schriftliche Aufzeichnungen hierüber erst im 17. bzw. 18. Jhd. Der Begriff taucht allerdings nur in Überschriften von Abhandlungen auf: z.B. "Abhandlung über die 10 große Prinzipien des Tai-ji-Quan" von Chen Zhang-Xing (1771-1853). In den Texten selber wird der Begriff nicht verwendet. Erst in späteren Texten von Chen Xin (1849-1929) werden Tai-ji und Tai-ji-quan häufiger gebraucht.

Erst ab Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist der Name Tai-Ji-Quan etabliert. Ab dieser Zeit wird auch dem gesundheitlichen Aspekt Rechnung getragen. Es erscheinen vermehrt Publikationen zu diesem Thema. Seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts werden sie in vielen Darstellungen sogar in den Vordergrund gestellt. Und ab den fünfziger Jahren wird eine vereinfachte Bewegungsabfolge landesweit in China für die breite Bevölkerung verbreitet.



Und diese Form ist bei uns in den Köpfen und wird auch als "Schattenboxen" bezeichnet. Allerdings ist dieser Begriff hoffnungslos veraltet. Er entstand in einer Zeit als kaum einer Tai Chi kannte und man schrieb dann etwas: "Es sieht aus wie..."

Wie kam das Tai Chi in den Westen? Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts reiste Nixon zu Staatsbesuchen in die Volksrepublik China. Es war eine Zeit der Abrüstung und Entspannung. Bei den Besuchen wird er (und ebenso zahlreiche Journalisten und andere Begleiter) in Kontakt mit dem Tai Chi gekommen sein. Vermutlich in Form einer Massenvorführung(?!). Auch im Westen war "FlowerPower" angesagt und so kam nur die "softe" Variante des Tai Chi in den Westen (=USA) und von dort dann nach Europa. Erst innerhalb der letzten ca. 10-15 Jahre hat sich auch die kämpferische Ausübung wieder verbreitet. Jedoch herrscht immer noch das Denken: "Tai Chi sind weiche, fließende Bewegungen ohne kämpferischen Inhaltes".

Aber Tai Chi ist viel - viel mehr!!!!


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